Altersvorsorgedepot: So funktioniert die Auszahlung ab 67
Auszahlungsplan bis 85, 30 % Teilkapitalauszahlung, nachgelagerte Besteuerung — alle Regeln zur Auszahlungsphase des neuen Altersvorsorgedepots. Mit Rechner und Beispielen.
Von Sascha

Heute hat der Bundestag das Altersvorsorgereformgesetz (Drucksache 21/4088) mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD beschlossen. Das neue Altersvorsorgedepot kommt ab 2027 — der Bundesrat muss noch zustimmen. In meinem letzten Beitrag habe ich die Grundlagen erklärt — heute geht es um die entscheidende Frage: Wie kommt das Geld am Ende bei dir an?
Die Auszahlungsphase im Überblick
Die Auszahlung beginnt frühestens mit dem 65. Lebensjahr und spätestens mit dem 70. Lebensjahr. Anders als bei der alten Riester-Rente hast du deutlich mehr Flexibilität. Drei Optionen stehen dir offen:
- Auszahlungsplan — regelmäßige Auszahlungen bis mindestens zum 85. Lebensjahr
- Leibrente — lebenslange monatliche Zahlungen ab Rentenbeginn
- Kombination — Auszahlungsplan + Leibrente ab 85 (Langlebigkeitsabsicherung)
Der wichtigste Unterschied zu Riester: Die Pflicht, mindestens 70 % des Kapitals zu verrenten, entfällt komplett (§ 82 Abs. 2 EStG n.F.). Ein Auszahlungsplan ohne Restkapitalverrentung ab 85 ist erstmals möglich.
Bis zu 30 % als Einmalauszahlung
Beim Beginn der Auszahlungsphase kannst du dir bis zu 30 % des Guthabens als einmalige Teilkapitalauszahlung auszahlen lassen. Der Rest fließt dann in den Auszahlungsplan oder die Leibrente.
Beispiel: Dein Depot steht bei 150.000 €. Du nimmst 30 % vorab — das sind 45.000 € sofort. Die verbleibenden 105.000 € werden über den Auszahlungsplan bis 85 verteilt.
Das kann sinnvoll sein, wenn du:
- Schulden tilgen willst
- Einen Umbau oder eine Anschaffung planst
- Einen finanziellen Puffer brauchst
Zusätzlich können bis zu zwölf Monatsraten zu einer Einzelzahlung zusammengefasst werden — praktisch für halbjährliche oder jährliche Auszahlungen.
Achtung: Die Teilauszahlung wird im Jahr der Auszahlung voll nachgelagert besteuert. Bei hohen Beträgen steigt der Grenzsteuersatz schnell.
Auszahlungsplan bis 85: So wird gerechnet
Beim Auszahlungsplan wird dein Depot ab Rentenbeginn in gleichmäßigen Raten ausgezahlt — üblicherweise monatlich. Das Restguthaben bleibt investiert und erwirtschaftet weiterhin Rendite.
Die monatliche Rate ergibt sich aus einer Annuitätenformel: Kapital, erwartete Rendite und Laufzeit (bis 85) bestimmen die Höhe. Je höher die Rendite im Auszahlungszeitraum, desto höher die monatliche Rate.
Rechenbeispiel bei 150.000 € Depot, 4 % Rendite, Rente ab 67:
Ohne Teilauszahlung — volle 150.000 € im Auszahlungsplan:
- Monatliche Rate: ca. 1.004 €
- Jährlich: ca. 12.045 €
- Gesamt über 18 Jahre: ca. 216.808 €
Mit 30 % vorab — 45.000 € sofort, 105.000 € im Plan:
- Monatliche Rate: ca. 703 €
- Jährlich: ca. 8.431 €
- Gesamt (inkl. Einmalauszahlung): ca. 196.766 €
Die Differenz zeigt: Wer auf die Teilauszahlung verzichtet, bekommt über die Laufzeit rund 20.000 € mehr — weil das investierte Kapital länger für dich arbeitet.
Was passiert ab 85? Langlebigkeitsabsicherung
Hier liegt die größte Neuerung gegenüber Riester: Der Auszahlungsplan ohne Restkapitalverrentung ist jetzt erlaubt. Das heißt: Nach 85 sind keine weiteren Auszahlungen garantiert — dafür bekommst du in der Auszahlungsphase deutlich höhere monatliche Raten, weil kein Kapital für eine teure Versicherung abgezweigt wird.
Du hast trotzdem die Wahl:
- Auszahlungsplan ohne Absicherung: Maximale monatliche Rate, aber kein Schutz nach 85. Sinnvoll, wenn du andere Einnahmen hast oder auf eigene Rücklagen setzt.
- Auszahlungsplan + aufgeschobene Leibrente: Ein Teil des Kapitals wird bei Rentenbeginn für eine Leibrente reserviert, die ab 85 lebenslang zahlt. Dafür fällt die monatliche Rate niedriger aus.
- Komplette Leibrente ab Beginn: Lebenslange Zahlung vom ersten Tag an — niedrigere Raten, aber maximale Sicherheit. Dabei müssen Anbieter nur 80 % des Kapitals für die garantierte Sockelrente verwenden; die restlichen 20 % dürfen renditeorientierter angelegt werden.
Wichtig: Die Deutsche Rentenversicherung und die Deutsche Aktuarvereinigung warnen, dass statistisch mindestens die Hälfte aller Menschen älter als 85 wird. Ein Auszahlungsplan ohne Absicherung ist ein bewusstes Risiko.
Vererbbarkeit
Ein Vorteil des Auszahlungsplans gegenüber der Leibrente: Das Restguthaben ist vererbbar, wenn du vor dem Ende des Plans stirbst. Bei einer Leibrente erlischt der Anspruch mit dem Tod — es sei denn, du vereinbarst eine Rentengarantiezeit (10 oder 20 Jahre).
Nachgelagerte Besteuerung
Alle Auszahlungen aus dem geförderten Altersvorsorgedepot werden nachgelagert besteuert — sie zählen als sonstige Einkünfte und unterliegen deinem persönlichen Einkommensteuersatz im Ruhestand.
Da die meisten Menschen im Alter weniger verdienen als im Berufsleben, liegt der Steuersatz in der Regel deutlich niedriger als in der Ansparphase.
Beispiel: Bei 18.000 € gesetzlicher Rente und 12.000 € Auszahlung aus dem AV-Depot ergibt sich ein zvE von 30.000 €. Der Durchschnittssteuersatz darauf liegt bei rund 17 % — deutlich unter dem typischen Grenzsteuersatz im Berufsleben.
Für den ungeförderten Anteil (Einzahlungen über 1.800 €/Jahr) gilt: Bei monatlichen Auszahlungen wird nur der Ertragsanteil besteuert (17 % bei Rentenbeginn mit 67). Bei einer Einmalauszahlung nach mindestens 12 Jahren Laufzeit greift das Halbeinkünfteverfahren — nur 50 % der Erträge werden besteuert.
Vorzeitige Entnahme vor dem 65. Lebensjahr ist eine förderschädliche Verwendung: Alle Zulagen und Steuervorteile müssen zurückgezahlt werden.
Rechne deine Auszahlung selbst aus
Mit dem Auszahlungsrechner kannst du berechnen, wie hoch deine monatliche Auszahlung bei verschiedenen Depotwerten und Teilauszahlungsquoten ausfällt. Probier die Beispielprofile aus oder stelle die Regler manuell ein.
Meine Einschätzung
Die Auszahlungsregeln sind ein großer Fortschritt gegenüber Riester. Besonders die Wahlfreiheit zwischen Auszahlungsplan und Leibrente sowie die 30 % Teilkapitalauszahlung machen das Produkt flexibel und praxistauglich.
Mein Tipp: Rechne verschiedene Szenarien durch. Die Teilauszahlung klingt verlockend, kostet dich aber monatliche Rente. Und: Durch die nachgelagerte Besteuerung kann eine hohe Einmalauszahlung steuerlich teuer werden. Oft ist die gleichmäßige Auszahlung über den Auszahlungsplan die bessere Wahl.
Quellen
- FAQ zur Reform der privaten Altersvorsorge — Bundesfinanzministerium
- Gesetzentwurf Altersvorsorgereformgesetz — BMF
- Bundestag beschließt das Altersvorsorgedepot — Deutscher Bundestag, März 2026
- Private Altersvorsorge für alle Einkommen und Generationen — BMF-Pressemitteilung, Dez. 2025
- Reform der privaten Altersvorsorge — Bundesregierung
- Neustart für die private Altersvorsorge — BMF-Monatsbericht, Jan. 2026
- § 82 EStG — Altersvorsorgebeiträge — Gesetze im Internet